Große Säugetiere werden langsamer, um die Nerven einholen zu können

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Große Säugetiere werden langsamer, um die Nerven einholen zu können

Von Jake BuehlerAug. 29. 2018, 11:00 Uhr

Schnelle Reflexe können den Unterschied zwischen Leben und Tod im Tierreich ausmachen, egal ob es darum geht, Fliegenklatschen zu vermeiden oder im richtigen Moment die Zunge herauszuschießen, um Beute zu fangen. Eine neue Studie hat jedoch herausgefunden, dass nicht alle Reflexe gleich sind: Größere Tiere ziehen langsamer als kleinere, weshalb sie sich nicht annähernd so schnell bewegen können, wie sie sollten.

Wenn es um Reflexe geht, gibt es keinen Zweifel, dass größere Tiere etwas langsamer sind. Große Tiere haben längere Neuronen, und das bedeutet mehr Zeit, damit ein Signal beispielsweise von der Wirbelsäule zu einem Beinmuskel gelangt. Aber Nervengeschwindigkeit ist nicht das einzige, was Reflexe verlangsamt.

In der neuen Studie untersuchten die Forscher unzählige Faktoren, wie schnell Muskeln Kraft erzeugen können. Sie stützten sich auf Daten aus anderen Studien zu elektrisch stimulierten Nerven und Muskeln bei Tieren, die so klein wie Spitzmäuse und so groß wie Elefanten waren. Sie betrachteten auch die Gangarten dieser Säugetiere, um zu berechnen, wie lange ihre Schritt- und Fußpositionen im Verhältnis zu ihrer Körpergröße waren, was es den Forschern ermöglichte, zu sehen, wie schnell ihre Reflexe sind.

Mit zunehmender Größe nimmt auch die Reaktionszeit der Muskeln zu, berichtete das Team gestern in den Proceedings of the Royal Society B. Große Säugetiere erleben eine Verzögerung zwischen Nervenschießen und Muskelbewegung, die mehr als 15-mal länger ist als klein Säugetiere. Im Verhältnis zur Geschwindigkeit ihrer Körperbewegungen ist diese Verzögerung jedoch nur doppelt so lang - was bedeutet, dass langsame Signale kompensiert werden, wenn sie sich langsamer bewegen. Wenn dies nicht passieren würde, wäre ein rennender 250-Kilogramm-Elch eine karikaturartige Beinunschärfe, die Schritte weit schneller macht, als ihre Reflexe jemals reagieren könnten. Nennen wir es ein biologisches Tempolimit.